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März 2005


Schwere Vorwürfe gegen die Staatsregierung

MdL Jürgen Dupper zu Gast beim SPD-Ortsverein -
Schulreform von langer Hand geplant


„Der Freistaat Bayern spart die soziale und kulturelle Infrastruktur des Landes kaputt“, stellte MdL Jürgen Dupper bei der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins in Teisnach fest. Der Freistaat Bayern möchte 2006 einen schuldenfreien Haushalt vorlegen, ohne auf die Gemeinden Rücksicht zu nehmen, klagte der Landtagsabgeordnete aus Passau.
45 Prozent der Kommunen können Dupper zufolge bereits keinen genehmigungsfähigen Haushalt mehr aufstellen. Auf diese Situation habe der Freistaat beim Verteilen der Finanzausgleichsmittel keinesfalls reagiert. Es wurde gekürzt: unter anderem um 10 Millionen bei den Investitionspauschalen, nahezu 300 Millionen beim Kfz-Steueranteil, bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und bei der Schülerbeförderung. Insgesamt haben sich zwar 2005 die Ausgleichsleistungen an die Kommunen erhöht, aber dies sei angesichts der düsteren Leistungen im Jahr zuvor kein Wunder.
Geradezu skandalös bezeichnete Dupper das Verhalten der Staatsregierung bei der nur schrittweise ab 2006 erfolgenden Abschaffung der Solidarumlage. Die Neuregelung der Finanzierungslasten der deutschen Einheit zu Lasten des Bundes habe Bayern ganz andere Möglichkeiten eröffnet. Der Freistaat spart sich demnach bereits in diesem Jahr 200 Millionen Euro. Aber an die bayerischen Kommunen wird diese Entlastung erst ab 2006 in Stufen weiter gegeben. „Und erst 2008 sind die bayerischen Gemeinden und Städte von der Zahlung der Solidarumlage befreit - alles zu Gunsten des Staatshaushalts“, zeigte Dupper auf. Lediglich beim Sozialhilfeausgleich an die Bezirke habe der Freistaat draufgelegt, was insgesamt den Umlagezahlern zugute komme. Die Entwicklung bei den Sozialhilfeausgaben aber zeige deutlich, dass es trotzdem nicht reicht. Eine Neuregelung bei den Bezirksfinanzen sei dringend notwendig - dies habe die SPD-Fraktion im Landtag auch beantragt.

Ortsvereinsvorsitzende Rita Röhrl ging auf dieses Thema noch im Detail ein. Die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege stiegen von 6,9 Millionen Euro im Jahr 1970 auf 69 Millionen Euro im Jahr 1993. Erst durch die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 trat hier eine Entlastung ein. Der Bezirk Niederbayern hatte dies sofort in Form der Umlage-Senkung von 3,5 Punkten an die Landkreise weitergegeben. Mittlerweile aber liege der Aufwand in Niederbayern für die Hilfe zur Pflege bereits wieder bei 52,8 Millionen Euro. Noch dramatischer sei der Verlauf bei den Kosten für die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Während der Bezirk als dafür zuständiger Träger im Jahr 1970 noch 69 000 Euro aufwenden musste, sind dies im Jahr 2005 91,3 Millionen Euro. „Die Sorge für die Betreuung behinderter Menschen ist eine gesamt gesellschaftliche Aufgabe und keine rein kommunale“, stellte die Fraktionsvorsitzende der SPD im niederbayerischen Bezirkstag fest. „Der Freistaat Bayern spart aber auch bei den Behinderten“, machte MdL Dupper deutlich. In Bayern werden derzeit Heime und Werkstätten mit Finanzierungszusagen von insgesamt 36 Millionen gebaut. Neuanträge liegen in der Größenordnung von 70 Millionen Euro vor. Im Haushalt 2005 aber stehen dafür exakt nur 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Besonders enttäuschend sei, dass kein einziger Euro aus den Privatisierungserlösen in diesem Bereich fließe. Wenigstens habe der Landkreis Regen daraus etwas für den Staatsstraßenbau erhalten. Die Ortsumgehung Thalersdorf und der Staatsstraßenbau in Langdorf sei hier unter anderem berücksichtigt worden.


„Beschlossene Sache“


Breiten Raum nahm die bayerische Bildungspolitik ein. Das Sterben der Teilhauptschulen sei beschlossene Sache gewesen und die Mandatsträger der CSU bräuchten sich davon jetzt nicht so überrascht zu zeigen, meinte Dupper. Die Staatsregierung pumpe das Geld in die Gymnasien und Realschulen zu Lasten der Hauptschulen. „Eine Schule, die von 40 Prozent der Schüler besucht wird, darf von einer Regierung kostenmäßig nicht als Restschule behandelt werden“, sagte der Abgeordnete. Auf die Frage nach der Zukunft der Berufsschule in Regen stellte Dupper klar: Bereits im Jahr 2001 wurde der Beschluss zur Neuordnung des Berufsschulwesens gegen die Stimmen der SPD gefasst. Dieser beinhalte eindeutig, dass es künftig so genannte Kompetenzzentren gibt. Im Landkreis befinde sich das Kompetenzzentrum für die Gastronomie bei der Hotelberufsschule in Viechtach. Auch alle anderen Kompetenzzentren wurden bereits von der CSU-Mehrheit im bayerischen Landtag damals festgelegt und jeder Abgeordnete hätte erkennen müssen, welche Auswirkungen dies auf seinen Landkreis hat.

 

 

Treue zum SPD-Ortsverein

Bei der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins wurden sechs Mitglieder für langjährige Treue zur SPD geehrt. Ortsvereinsvorsitzende Rita Röhrl würdigte das Engagement der Geehrten, die auch in politisch schwierigen Zeiten „nicht gleich das Handtuch werfen“. Im Bild (von links): Lothar Wanner, Josef Petersamer, Paul Hofmann (alle 20 Jahre dabei), Annemarie Bergbauer, Karl Stern und Brigitte Holzfurtner (alle 15 Jahre) sowie MdL Jürgen Dupper (rechts) und die Ortsvereinsvorsitzende und Bürgermeisterin Rita Röhrl (vorne).